Ferngesteuerte Autos

Wer an ferngesteuerte Autos denkt, hat vielleicht im ersten Moment begeistert spielende Kinder vor Augen. Dass „Remote Controlled“ oder „Radio Controlled“, kurz RC-Cars in den letzten fünf Jahrzehnten mehr sind, als simples Spielzeug, möchten wir Ihnen anhand eines kurzen Überblicks erläutern.

Ferngesteurte Autos und ihre Geschichte

Die Geschichte des RC-Modellbaus beginnt mit der Geschichte ihrer Grundlage, nämlich der Funkfernsteuerung. Bereits im Jahr 1898 stellte der in Kroatien geborene Physiker und Elektroingenieur Nikola Tesla diese auf der Weltausstellung in New York in Verbindung mit einem Schiffsmodell der Öffentlichkeit vor.

Zu erster umfangreicherer Anwendung der neuen Technologie kommt es im militärischen Umfeld vor und während des Zweiten Weltkrieges, auch hier in Verbindung mit Schiffs- und Flugmodellen. Mitte der 60er Jahre werden schließlich die ersten funkferngesteuerten Modellautos entwickelt. Im Maßstab 1:8 sind die einfachen Modelle mit Verbrennungsmotoren aus dem Flugzeugmodellbau ausgestattet. Sie werden mit einem Gemisch aus Methan, Nitromethan und Rizinusöl betrieben.

Eines der ersten bekannten Modelle ist der nach seinem Erfinder, Dr. Hans Feldmann benannte „Feldmann“ aus dem Jahr 1964. Er besteht aus einem Chassis aus verzinktem Blech, einem 3,5 ccm Glühverbrennungsmotor und hat ein Gewicht von knapp sechseinhalb Kilogramm. Gesteuert wird das in seiner Herstellung etwa DM 100,- teure Modell mittels einer 6-Kanal-Funkfernsteuerung und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 30 km/h.

Im Laufe der 70er Jahre beginnen immer mehr Hersteller mit der Produktion vergleichbarer Modellautos auf Basis der Glühverbrennungsmotoren. Ab 1974 finden erstmals Elektromotoren Verwendung, bei denen die Kraft des nach seiner Baugröße benannten 540er Elektromotors über Zahnräder auf die Hinterachse der Modelle im Maßstab 1:12 übertragen wird.

Eine weitere Neuerung erfährt der wachsende Markt der ferngesteuerten Autos im Jahre 1979 durch die Entwicklung des ersten Off-Road Modells des japanischen Herstellers Tamiya. Mit Einzelradaufhängung und großen Profilreifen aus Gummi ist der einem Strandbuggy im Maßstab 1:10 nachempfundene „Rough Rider“, im Gegensatz zu bisher nur für Asphaltrennen genutzten RC-Cars, nun auch geländetauglich.

Die Hochphase seiner Beliebtheit erreicht der RC-Modellbau in den 80er Jahren.
Die ersten Weltmeisterschaften werden veranstaltet, erst nur für On-Road Modelle, später auch für Off-Road Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die inzwischen auch über einen Allradantrieb verfügen.

Neu sind auch die sogenannten Pan Cars als besonders leichte und dadurch schnelle Klasse der Elektro On-Road Modelle, die bei Rennen eine Geschwindigkeit von bis zu 90 km/h erreichen.
Die Modelle der Off-Road Klasse werden zunehmend größer, erreichen einen Maßstab von bis zu 1:4 und werden von Benzinmotoren angetrieben.

Die 90er Jahre sind geprägt von einer stetigen Weiterentwicklung der im Modellbau verwandten Materialien. Carbon, Aluminium und Titan machen ferngesteuerte Autos stabiler, leichter und dadurch schneller. Die immer beliebteren Pan Cars erreichen inzwischen Geschwindigkeiten von bis zu 112 km/h. Allerdings führen neue Materialien, weiterentwickelte Motoren und langlebigere Akkus auch zu einem deutlichen Anstieg der Preise, wodurch es für Interessierte immer schwieriger wird, sich ohne ein entsprechendes Budget am Sport, um den es sich beim RC-Modellbau inzwischen klar handelt, zu beteiligen. Neben den inzwischen sehr beliebten realistischen Tourenwagen werden auch neue Modelle, wie die sogenannten Monstertrucks entwickelt, um über den reinen Spaßfaktor ein breiteres Publikum anzusprechen.

Seit Beginn der 2000er Jahre dominiert die Verwendung von glasfaserverstärktem Kunststoff den Markt der ferngesteuerten Autos. Die Fahrzeuge werden härter, verwindungssteifer und in Verbindung mit erneut weiterentwickelten Motoren und Akkus immer leistungsfähiger. Neben dem inzwischen sehr spezialisierten Segment der Modellbausätze etabliert sich zunehmend der Markt der sogenannten ready-to-run Modelle (RTR), bei denen es sich um komplett aufgebaute, fahrfertige Fahrzeuge handelt, die vom Käufer sofort eingesetzt werden können, was es Interessierten ermöglicht, ohne technische Fähigkeiten und ohne größeren Zeitaufwand in das Hobby ferngesteurte Autos einzusteigen.

Arten ferngesteuerter Autos

So überschaubar der Markt der ferngesteuerten Autos zu Beginn seiner Geschichte gewesen ist, so vielfältig ist heute das Angebot. Neben der reinen Auswahl an maßstabsgetreu nachgebildeten Serienfahrzeugen, Sondereinsatzfahrzeugen, Rennwagen, Tourenwagen und Fantasiegefährten gibt es grundlegende technische und Ausstattungskriterien, die zu Beginn einer Entscheidung für das neue Hobby stehen sollten.

Prinzipiell lassen sich fergesteuerte Autos allem voran nach ihrem Antrieb in zwei Gruppen einteilen: solche mit Verbrennungsmotor und solche mit Elektromotor. Handelt es sich bei ersteren von vorne herein sicher nicht um Kinderspielzeug, findet sich bei den Modellen mit Elektromotor gelegentlich die Differenzierung in Radio Controlled und Remote Controlled. Auch wenn beide Begriffe technisch vom selben Prinzip der (Funk)Fernsteuerung ausgehen, wird der Begriff Remote Controlled meist mit einfachen, fertig montierten, mit Standardbatterien betriebenen und letztlich entschieden preiswerteren ferngesteuerten Fahrzeugen verbunden. Diese werden meist aus einfachem Plastik gefertigt und könnten in der Tat als Kinderspielzeug betrachtet werden.

Solche Modelle haben meist einen kleineren Maßstab, sind weniger detailgetreu und oft entschieden einfacher verarbeitet. Auch ihre Reichweite, die Genauigkeit der Bedienung und letztlich auch eine erreichbare Endgeschwindigkeit sind mit professionelleren ferngesteuerten Autos nicht vergleichbar. Oft finden auch die Begriffe Toy-Grade und Hobby-Grade Verwendung. Zum grundlegenden Ausprobieren der Technik und als Freizeitvergnügen sind solche Toy-Grade Fahrzeuge deshalb natürlich trotzdem geeignet und kleinere Modelle können meist sogar bedenkenlos in Innenräumen genutzt werden.

Bei den deutlich teureren ferngesteuerten Autos der Hobby-Klasse unterscheidet man zwischen kompletten Bausätzen (KIT), die alle Bauteile zur Selbstmontage enthalten, meist jedoch ohne den Antrieb angeboten werden, sogenannten „almost ready to run“ (ARR) Bausätzen, die außer der Fernbedienung alle notwendigen Bauteile enthalten und nur noch endmontiert werden müssen und den bereits genannten „ready to run“ (RTR) Modellen, die fahrfertig verpackt und verkauft werden und maximal kleiner Schönheitsarbeiten bedürfen. Außerdem werden sogenannte „Bind and Drive“ (BND) Bausätze angeboten, die ebenfalls komplett montiert sind, bei denen jedoch die Funkfernsteuerung und der im Fahrzeug verbaute Empfänger aufeinander eingestellt werden müssen, wodurch eine größere Auswahl an verwendbaren Fernbedienungen zur Verfügung steht.

Alle Arten von professionelleren ferngesteurten Autos sind für den Gebrauch in Innenräumen wenig geeignet. Bei den Modellen mit Verbrennungsmotor versteht sich dies von selbst, bei den Elektrofahrzeugen sind sowohl Größe, als auch zu erreichende Geschwindigkeiten ein klares Hindernis (die Modelle haben Maßstäbe von bis zu 1:5 und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h).
Als zusätzliches optionales Ausstattungsmerkmal werden in letzter Zeit vermehrt auch Modelle bzw. Bausätze mit eingebauter Kamera oder Soundmodul für realistische Fahrgeräusche angeboten.

Tipps für den Kauf

Wenn Sie sich genaue Gedanken darüber gemacht haben, welche Art von ferngesteuerten Autos Sie interessiert, steht die Suche nach einem geeigneten Anbieter auf dem Plan. Während ferngesteuerte Autos der Toy-Klasse im Spielwarenhandel und häufig sogar in gut sortierten Kaufhäusern, sowie regelmäßig im Angebot einiger Supermärkte und Discounter zu finden sind und hier der Hersteller meist hinter anderen Kriterien wie Aussehen und Preis zurücktritt, haben sich im Bereich des RC-Modellbaus einzelne Hersteller auf bestimmte Segmente spezialisiert.

Hier den passenden Anbieter zu finden, ist abhängig von genauen Anforderungen an das Modell, seine Qualität, die Ausstattung und damit nicht zuletzt seinen Preis. Da es folglich nicht den einen optimalen Hersteller gibt, empfiehlt sich eine eingehende Recherche in einschlägigen Internetforen oder eine Beratung im Fachhandel. Sinnvoll ist es auf jeden Fall darauf zu achten, keinen allzu unbekannten Hersteller zu wählen und darauf zu achten, dass der Bezug von Ersatzteilen langfristig und unkompliziert gewährleistet ist.

Während einfache ferngesteuerte Autos namentlich bekannter Hersteller wie Carrera, Dickie Toys oder Rewell schon für unter EUR 50,- im Handel erhältlich sind, kosten professionelle Modelle zum Beispiel des seit vielen Jahren bedeutenden japanischen Herstellers Tamiya schnell mehrere hundert Euro.

Der große Test ferngesteuerter Autos

Elektromotor

HerstellerXciteRCTamiyaLEGO
Modell302000003000584694653947
Gewicht3,6 kg2,0 kg2,5 kg
Batterien AA / LiPo Akku 3S oder NiMH 6 Zellen Akkuk.A.6x AA
Batterien inbegriffenneinneinnein
Fernsteuerung enthaltenjaneinja
Fernsteuerungstyp2-Kanal-Funkfernsteuerung2-Kanal-FunkfernsteuerungInfarot-Fernbedienung
Zusammenbau notwendigneinjaja
VerwendungOutdoorIndoor und OutdoorOutdoor

Verbrennungsmotor

HerstellerCarsonSebenSeben
Modell202007BV2 BK7 RTRLXR XK11
Gewicht4,4 kgk.A.k.A.
Fernsteuerung enthaltenneinjaja
Zusammenbau nötigneinneinnein
Batterie notwendigjajaja
VerwendungOutdoorOutdoorOutdoor

 

Pflege ferngesteuerter Autos

Pflege und Wartung sind wichtige Faktoren, die bei einer Entscheidung für das Hobby ferngesteuerte Autos beachtet werden sollten. Wie umfangreich sich diese Arbeiten gestalten, ist sehr von den individuellen Gegebenheiten abhängig. Während im Bereich der Toy-Klasse und ebenfalls bei einigen RTR-Modellen die Möglichkeiten und auch die Fähigkeiten meist eine tiefgreifendere Wartung verhindern und den regelmäßigen Aufwand auf eine einfache oberflächliche Reinigung beschränken, sind Pflege und Wartung bei hochpreisigen Modellen aus Bausätzen relevante Zeitfaktoren.

Neben einer groben Reinigung nach jedem Gebrauch, zum Beispiel mit einem geeigneten Pinsel, empfiehlt sich hier eine regelmäßige Grundreinigung mit Kontrolle aller Teile, wie Lager und Antriebsriemen oder Zahnrädern, die gegebenenfalls nach Verschleiß ausgetauscht werden können oder zumindest mit geeigneten Pflegemitteln konserviert werden sollten. Ferngesteuerte Autos der Toy-Klasse müssen zu einem gewissen Grad als Wegwerfartikel betrachtet werden, da ein Austausch durch normalen Verschleiß beschädigter Teile oft nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Sicherheitsvorkehrungen

Neben zumindest grundsätzlichen technischen Kenntnissen und Fähigkeiten, die erforderlich sind, wenn Sie sich für die Anschaffung eines Modellbausatzes anstatt eines vormontierten, gebrauchsfertigen ferngesteuerten Autos entscheiden, muss auch der Umgang mit dem Fahrzeug und seiner Fernbedienung erlernt werden. Je nach Art und Ausstattungsmerkmalen des Fahrzeuges gelingt dies früher oder später auch bei hohen Geschwindigkeiten mit befriedigenden Ergebnissen. Besondere Vorsicht ist beim Umgang mit Modellen mit Verbrennungsmotor angeraten. Hier arbeiten Sie mit potentiell gesundheitsschädlichen und leicht brennbaren Flüssigkeiten, die auf keinen Fall in die Hände von Kindern gehören.

Allgemein sollten ferngesteuerte Autos, die geeignet sind, Geschwindigkeiten eines echten Fahrzeuges zu erreichen nur von Erwachsenen oder zumindest unter deren Anleitung und Aufsicht und ausschließlich in dazu geeigneten Arealen genutzt werden, im öffentlichen Straßenverkehr haben diese Fahrzeuge keinen Platz und ein Missbrauch kann neben unerwünschten Folgen für die Gesundheit Unbeteiligter empfindliche Strafen nach sich ziehen.